Nachruf: Christoph Schlingensief


Ein Mann den ich immer sehr bewundert habe, ist am Samstag im Alter von 49 verstorben. Wie wohl viele Leute kenne ich ihn nicht aus dem Theater, der Oper oder dem Kino, sondern nur aus dem Fernsehen. Nichtsdestotrotz habe ich ihn bewundert. Das öffentliche Auftreten Christoph Schlingensiefs, die Art und Weise wie er in Interviews über seine Projekte sprach, wie er klare, radikale Auffassungen vertrat und sich nie davor sträubte anzuecken, im Gegenteil, dass er das Anecken immer wieder intendierte, das hat mich immer fasziniert. Und die Entschlossenheit mit der er seine unbequemen Themen ins öffentliche Bewusstsein katapultierte. Und gerade die Aktionen, die viele wohl als bloßen Unsinn abtun würden, waren für mich die größte Bereicherung, der sonst oft so langweiligen deutschen Kunstszene.

Die große Anerkennung bis hin zum wahren Schlingensief-Hype in den letzten zwei Jahren seit seiner Krebserkrankung, hatte er meiner Meinung nach vollkommen verdient.

Er hat immer wieder bewiesen, dass wohl das beste Bindeglied zwischen Kunst und Politik die Provokation ist. Kunst ist nur dann politisch und Politik nur kunstvoll wenn sie provoziert. (Mein Wort zum Sonntag).

Schon lange wollte ich sein Krebs-Tagebuch “So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein” lesen. Jetzt werde ich wohl einer von sehr vielen sein, die das in nächster Zeit angehen. Außerdem wollte ich schon vorher für sein Operndorf in Afrika spenden und jetzt habe ichs auch getan. Es wäre sehr traurig, wenn es nicht in seinem Sinne weitergeführt werden würde. Ein tolles Projekt von jemandem, der verstanden hat, das Charity viel zu oft gut gemeint ist.